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Im März erleben wir die Tag- und Nachtgleiche, den kalendarischen Frühlingsanfang. Die Sonne überquert dabei den Himmelsquator von Süden nach Norden. Der genaue Zeitpunkt ist für 2010 mit 18:32 MEZ am 20. März angegeben. An diesem Tag geht die Sonne theoretisch an jedem Punkt der Welt exakt im Osten auf, genau im Westen unter und steht dazwischen 12 von 24 Stunden über dem Horizont. Tatsächlich werden diese Werte etwas zu Gunsten des Tageslichtes verschoben, da die Atmosphäre mit ihrer brechenden Wirkung die Sonne scheinbar etwas früher auf- und etwas später untergehen lässt. Auch beziehen sich die Auf- und Untergangszeiten auf den oberen Sonnenrand, die Koordinaten der Sonne aber auf den Sonnenmittelpunkt. Eine weitere Besonderheit betrifft die Pole: Dort läuft die Sonne in diesen Tagen am Horizont entlang.
Am Nordpol beginnt ein halbes Jahr Polartag, am Südpol die Polarnacht. Am Äquator geht die Sonne mittags genau durch den Zenit. In Bonn steht die Sonne zu Frühlingsbeginn von 6:35 bis 18:44 über dem Horizont. Das sind schon 12 Stunden und 9 Minuten. Von Tag- und Nachtgleiche kann also keine Rede sein. Rechnet man noch am Morgen und am Abend jeweils mindestens eine Stunde Dämmerung hinzu, so bleibt für die Nacht weniger als 10 Stunden übrig - wir haben also dank unserer Atmosphäre längst eine Tag- und Nacht-"Ungleiche". Am Sonntag, den 28.3. (das ist dieses Jahr Palmsonntag) werden die Uhren auf Sommerzeit gestellt. Einen astronomischen Grund gibt es dafür nicht. Planet des Monats ist Saturn, der am 22. März in Opposition steht. Er steht der Sonne am Himmel gegenüber, und da die zwei Tage zuvor den Frühlingspunkt passiert hat, kann man sich leicht denken, dass Saturn sich nahe des Punktes befindet, den die Sonne zum Herbstanfang markiert. Dieser Punkt liegt im westlichen Teil des Sternbildes Jungfrau und dort finden wir momentan den Ringplaneten. Obwohl seine Ringe nur etwa 3° gegen unseren Blickwinkel geneigt sind und in diesem Jahr nicht so viel Sonnenlicht in unsere Richtung reflektieren, erreicht Saturn zur Opposition einer Helligkeit, die etwa der des Sterns Arktur entspricht, und der ist immerhin der vierthellste Stern des Nachthimmels. Wir finden Artktur im Sternbild Bärenhüter jetzt abends im Osten, von Saturn ausgehend links oberhalb. Wer mag, kann einmal die Farben vergleichen: Arktur ist ein roter Riesenstern und leuchtet leicht orange, Saturn hingegen fahl-gelblich. Auch ist Saturns Licht anscheinend deutlich ruhiger. Das liegt daran, dass uns Planeten als winzige Scheibchen erscheinen, Sterne dagegen als Punkte. Auch wenn Planeten viel kleiner sind als Sterne, so sind sie uns doch unvergleichlich näher und schicken uns ein kleines Lichtbündel, das von der Atmosphäre weniger gestört werden kann als der einzelne Lichtstrahl eines fernen Sterns. Wer schon Saturn und Arktur im Blick hat, wird auch den hellen Stern Spica im Südosten finden. Er bildet in diesem Jahr mit Saturn und Arktur ein Dreieck und markiert die Spitze links unten. Eine andere Methode, Arktur und Spica zu finden ist die: Man sucht das Sternbild Ursa Major, besser bekannt als Großer Wagen. Der steht jetzt spät abends hoch über unseren Köpfen im Nordosten. Verlängert man den Bogen der Deichsel etwa zweimal, gelangt man zu Arktur. Denkt man sich diesen Bogen noch einmal um die gleiche Strecke weiter verlängert, so findet man die weiß-bläuliche Spica. Zur Monatsmitte 22 Uhr finden wir die hellen Sterne des Wintermimmels nach SW gerückt. Aber noch ist das Wintersechseck, bestehend aus Rigel im Orion, Aldebaran in Stier, Capella im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen, Prokyon im Kleinen Hund und Sirius im Großen Hund vollständig zu sehen. Drei Planeten seien noch erwähnt. Venus baut im März ihre Rolle als Abendstern langsam aus. Wir finden sie nach Sonnenuntergang tief im Westen. Ende März und Anfang April kommt Merkur hinzu und bietet die beste Abendsichtbarkeit des Jahres. Erstmals am 26.3. kann man ihn gegen 19:30 über dem West-Horizont finden. Venus kann als Aufsuchhilfe dienen, sie steht etwas links oberhalb. Am 4. April werden sich Merkur und Venus auf etwa drei Winkelgrade nahe kommen. Der rote Mars ist weiter ein auffälliges Objekt am Abendhimmel. Zur Monatsmitte 22 Uhr steht er mit dem Sternbild Krebs hoch im Süden. Neumond ist am 15.3. und schon einen Tag später können wir versuchen, die schmalste zunehmende Sichel 2010 rechts neben Venus in der Abenddämmerung zu finden. Am 20.2. zieht der Mond nochmal nahe südlich an den Plejaden vorbei. Erster Frülingsvollmond ist am 30. März. Viel Spaß beim Beobachten! |